Es gibt unterschiedeliche Felltypen

lockig bis wellig, das Fell ist am gesamten Körper, an der Rute, an den Ohren, am Kopf und im Gesicht sowie an den Beinen sehr langhaarig.

Jeder Bolonka hat "Unter"wolle. Ohne gibt es nicht - das wäre Wunderwerk. Man muss nur lernen, die (Unter-)Wolle zu erkennen. Dafür muss man ein paar Dinge wissen/beachten: Die Unterwolle ist keine wirkliche "Unterwolle". Der Begriff führt in die Irre. Das Bolonkafell hat immer zwei Haartypen: Wollhaar und Deckhaar. Das Wollhaar wird bis auf Ausnahmen ebenfalls lang, wenn man das Fell nie kürzt allerdings nicht so lang wie das Deckhaar. Das Wollhaar ist wesentlich feiner und regulär auch deutlich weicher als das Deckhaar. Das Wollhaar ist weniger gefärbt als das Deckhaar. Das Wollhaar wächst schneller als das Deckhaar. Das Wollhaar lebt kürzer als das Deckhaar (und wird dann noch farbloser bzw. grau bei dunklen Farben). Das, was man rauskämmt ist hauptsächlich Wollhaar und fast kein Deckhaar. Das, was verfilzt, ist das Wollhaar (das Deckhaar vertüdelt allenfalls). An den Ohren und der Rute wächst hauptsächlich Deckhaar. Unter den Ohren dagegen ist viel Wollhaar. Wenn man dauernd schneidet oder schert, gewinnt das Wollhaar die Oberhand - weil es nun mal schneller wächst als das Deckhaar. Dann besteht das Fell hauptsächlich aus Wollhaar. Der Hund ist dann weich und plüschig und bei Anwesenheit der Lockenmutation auch ziemlich lockig (Deckhaar kann nicht so sehr Locken bilden - Locken brauchen weiche Wolle). Auch ist der Bolonka dann regulär um einiges heller in der Farbe bzw. bei dunklen Farben grauer. Viele Bolonka (und auch andere Bichons) stehen rein in der Wolle, weil sie eben so häufig dauernd gekürzt werden. Das führt wiederum dazu, dass Menschen dem Irrglauben verfallen, dass Bolonka keine (Unter-)Wolle hätten, weil die Menschen ja keine zwei Haartypen entdecken können (wie auch - das Deckhaar ist ja verdrängt). Diesem Irrglauben unterliegen auch leider die meisten Hundefriseure. Da der Bolonka ein üppiges Fell haben soll, fordert der Standard sogar reichlich Unterwolle. Sicherlich wäre eine bessere Übersetzung aus dem Russischen, dass reichlich Wollhaar gefordert ist. Hätte er nur Deckhaar, dann hätte er tatsächlich menschenähnliches Haar. Dass er dies hätte, wird zwar auch oft behauptet, entspricht aber nun gar nicht der Realität. ;-) Auf die Welt kommt ein Bolonka mit überwiegend Deckhaar. Dann beginnt die Welpenwolle zu sprießen. Ab 6 Monaten beginnt der Wechsel ins erwachsene Fell. Mit 9 Monaten ist der Prozess so weit, dass das abgestorbene Wollfell extrem (speziell direkt auf der Haut) verfilzt, weil die Welpenwolle eben raus möchte und raus geholt werden muss (weil wir ja einen Hund haben, der nicht von selbst abhaaren kann). Bis das Ganze abgeschlossen ist dauert eine ganze Weile. Ja, man merkt auch den Wechsel der Jahreszeiten. Im Frühjahr und Herbst wechselt die Wolle und man muss noch mehr Wolle auskämmen (ausbürsten/aushakeln), um Filz zu entfernen/zu vermeiden als zu anderen Zeiten. Kürzt man das Fell nicht (oder nur ganz selten ein kleines bisschen die Spitzen) gewinnt das Deckhaar im Laufe der Zeit die Oberhand und die Pflege wird einfacher. Das dauert aber recht lange. Hält man das Fell immer ziemlich kurz und hat den Bolonka quasi nur im Wollhaar stehen, ist die Pflege insgesamt leichter. Man muss aber beachten, dass das tote Wollfell durch Kürzen nicht heraus geholt wird. Das schafft man nur durch intensives Bürsten/Kämmen - was man bei langem Fell sowieso des Öfteren machen muss. Insgesamt ist jedes Bolonkafell etwas anders aufgebaut. Auch das führt zu Verwirrungen. Manche haben wirklich üppiges Wollhaar, andere haben nur ganz wenig Wolle. Bei vielen wird das Wollhaar relativ lang, bei anderen bleibt es kurz (also eher wie Unterwolle). Auch das Deckhaar ist nicht immer gleich. Bei einigen ist es recht weich (fast so weich wie Wollhaar), bei anderen ziemlich harsch. Dass Bolonka nicht normal abhaaren können, liegt an der Furnishing-Mutation (Mutation am RSPO2-Gen) und absolut nicht daran, dass sie keine Wolle haben. Aber dafür ist die Hundefriseurin doch selbst für verantwortlich - entnehme das zumindest der Aussage, dass ihr mal wieder beim Friseur wart. Wenn man regelmäßig schneidet/schert steht das Fell letztlich in der (Unter)Wolle, weil das Deckhaar zurückgedrängt wird (wächst langsamer als Wollhaar) und die normale Fellstruktur nicht entstehen kann. Somit erzeugt man den Dauerwelpenlook, der beim Welpen entsteht, weil Welpen zwar mit Deckhaar geboren werden (darum auch die brillanten Welpenfarben), aber dann für ca. 6 Monate vor allem die Welpenwolle sprießt (Wollhaar hat deutlich weniger Farbpigmente). ... und Wolle wächst zwar schneller als Deckhaar, lebt aber auch kürzer und die abgestorbene Wolle ist das, was dann so filzt. Warum wissen die meisten Hundefriseure das nicht? Warum glauben sie sogar, dass Bolonka (und andere ähnliche Rassen) kein Wollhaar hätten (sondern Haare wie Menschen) und darum gar geschoren werden müssten (oder zumindest dürften)? Genau diese Unwissenheit der HuFris sprichst du ja auch an in den weiteren Kommentaren. ("Ich war damit schon bei 3 HuFr. und habe das dort gezeigt. Ich kann mich zwar irren, aber ich denke mal einem wäre das schon aufgefallen, wenn das alles Unterwolle ist.") Es fällt ihnen nicht auf. Man muss schon erst einmal lernen, Woll- und Deckhaar zu unterscheiden. Wenn man natürlich immer abschert, kann man da nichts mehr unterscheiden - aber nicht, weil der Bolonka keine Wolle hat, sondern weil im Gegenteil der regelmäßig kurz frisierte Bolonka kein Deckhaar mehr hat und offensichtlich viele darauf hereinfallen, dies für Deckhaar zu halten. Böse Falle. Wenn du anfängst, die Wolle regelmäßig und fachgerecht heraus zu holen und das Deckhaar durchkommen kann, wirst du auch den Unterschied zwischen den Haartypen sehen und fühlen lernen. Manche Bolonka sind auch wirklich eine harte Nuss. Die einen haben mehr, die anderen weniger Wollhaar. Die ersten zwei Jahre sind immer die heftigsten, dann wird es besser. Besonders schlimm ist die Zeit, wenn sie beginnen ins Erwachsenen-Fell zu wechseln. Darum verfilzen sie auch bei der besten Pflege mit 9-12 Monaten trotzdem dauernd. Da muss man sich dann durchbeißen - und eben gerade das (starke) Kürzen macht die Sache umso schlimmer und beschwerlicher. Kein Wunder, dass so mancher aufgibt. Kann ich gut verstehen. die Fellfarbe würde bei normalem Fellaufbau deutlich dunkler werden (also wieder deutlich mehr ins Schwarz anstatt ins Grau gehen). Beim Wollhaar (Sekundärhaar) spart die Natur mit ihren Farbreserven, um es mal salopp auszudrücken. Zudem stirbt das Wollhaar ja in recht kurzen Intervallen ab und ergraut dann zunehmend. Im "normalen" Haar bleibt auch weniger Zeugs hängen. Trotzdem kann ich das Kürzen total nachvollziehen. Es ist zeitlich gesehen einfacher zu pflegen und je nach Aktivitäten doch von Vorteil - zumal das Haar schon reichlich lang sein muss, damit man den normalen Aufbau erhält Da das Fell erst wieder zu seinem normalen Aufbau kommen muss, kann das locker 2 Jahre dauern. Der aufgeplusterte Effekt liegt leider nicht nur an der Haarlänge, sondern eben auch am zerstörten Aufbau. Erst mal wird nur die Wolle und ein wenig, sehr harsches Deckhaar lang. Bis "richtiges" Deckhaar wieder erreicht ist, dauert wirklich lange und das kann einen zur Verzweiflung bringen. 6-7 cm ist ja auch noch sehr kurz - da hat das Wollhaar dank seines schnelleren Wachstums und seiner größeren Menge noch alle Chancen das Primärhaar (Deckhaar) zu dominieren. Ist natürlich nur ein Richtwert mit der Dauer, weil ja jedes Fell individuell ist. Wer es echt schaffen möchte, dem kann man nur raten, enormes Durchhaltevermögen an den Tag zu legen. von Andrea Becker