Schlechte Fresser werden nicht geboren!

Jeder neugeborene Welpe besitzt von der ersten Sekunde seines Lebens (außerhalb des mütterlichen Körpers) den wichtigsten Trieb, die Zitzen der Mutter anzustreben. Sofern der Welpe gesund ist, wird sein Hauptziel immer die Nahrungsquelle sein. Bei Fehlern, angeborene Mißbildungen z.B., die dem Welpen die Nahrungsaufnahme unmöglich machen, wird er eigentlich zugrundegehen, sofern der Mensch nicht den Fehler macht, das kranke Tier auf spezielle Arten am Leben zu erhalten. Ein Fehler wäre z.B. so einen Welpen mittels einer Magensonde zu ernähren, um später den Fehler operativ zu "reparieren". Dies ist unverantwortlich und kann wohl nicht Sinner einer verantwortungsbewußten Zucht sein. Wie erwähnt, jeder gesunde Saugwelpe wird sich selbständig von der ersten Minute an ernähren und im Laufe der zunehmenden Lebenswochen wird seine Saugaktivität energischer, und es entsteht so etwas wie ein "Kampf" um die besten Plätze an Mutters Milchbar. Die Zufütterung beginnt in einem Alter von etwa +/- 21 Tagen. Auch hier lernen die Welpen sehr schnell und verkraften die Umstellung auf feste Nahrung in der Regel sehr gut. Ein verantwortungsbewußter Züchter wird auch hier richtig füttern, so daß die Welpen, solange sie noch zusammen sind, aufgergt auf ihr Futter warten und innerhalb weniger Minuten die Schüsseln hastig leeren. Dann jedoch folgt der Umzug zu dem neuen Besitzer und schon können evtl. Probleme beginnen. Jeder gute Züchter wird dem neuen Hundebesitzer einen Futterplan für die Fütterung des neuen Familienmitgliedes mit auf den Weg geben. Grundsätzlich wird er immer empfehlen, das Futter genau in der Form und Zusammensetzung weiter zu geben, was der Welpe beim Züchter erhalten hat. Nach wenigen Tagen oder auch Wochen wird der Züchter vielleicht vom aufgeregten Besitzer angesprochen, daß sein Welpe so große Probleme mit dem Fressen macht. Entweder frißt der Welpe das Futter plötzlich nicht mehr, oder frißt überhaupt schlecht oder aber der Hund hat Probleme mit der Verdauung, hat häufig Durchfall oder diesen über einen längeren Zeitraum. Der Züchter wird beteuern, daß der Welpe bei ihm immer gut und gern gefressen hat und wird darauf drängen, daß gerade der Welpe, weil eben in der Entwicklung, unbedingt richtig ernährt werden muß. Falsche Ernährung kann zu schweren Mängeln und Entwicklungsstörungen führen. Das nimmt sich der Welpenbesitzer sehr zu Herzen, wird dann aber nur noch verzweifelter, weil seinem Welpen diese Einsicht offenbar fehlt, und er weiterhin herummäkelt. Je mehr Mühe sich der Besitzer gibt, um seinen neuen Freund zum Fressen zu ermuntern oder zu überreden, umso schlechter wird der Welpe fressen. Grundsätzlich bedeutet der Umzug eines Welpen ins neue Lebensumfeld immer Streß. Er muß sich an die neue Umgebung, die neuen Menschen, neue Gerüche und Eindrücke, kurz gesagt, er muß sich komplett an eine ihm fremde Welt gewöhnen. Dazu kommt, daß er oft die Wechselbäder von Erziehung bzw. die Anfänge davon erlebt, und er muß natürlich erst verkraften, daß seine Mutter und die Geschwister nicht mehr da sind. Hinzu kommt dann die Überfürsorge des neuen Besitzers, der seinem Einzelhund in der Regel nur alles erdenklich Gute antun will. Für den Menschen geht die Liebe durch den Magen, und diese Idee überträgt er natürlich auch auf seinen neuen Freund. Der Welpe soll natürlich nur das Beste bekommen, aber den Pamps, zu dem der Züchter geraten hat...? Erste Zweifel kommen beim neuen Besitzer auf. Sofern er nicht schon längst das seiner Meinung nach Richtige im Küchenschrank gestapelt hat und den Neuankömmling damit vollstopft, dann entscheidet er höchstpersönlich spätestens dann, ein anderes Futter zu wählen, sobald der Welpe verschiedene Mahlzeiten "kosten" durfte. Der Welpe bekommt dann nämlich das, was ihm offensichtlich besser "schmeckt", und schon sind Schwierigkeiten vorprogrammiert. Neben den psychischen Strapazen des Umzuges hat der Welpe jetzt auch noch physische Zusatzbelastung durch die Futterumstelllung(en). Der Körper reagiert z.B. mit Durchfall. Dieser wiederum bringt den Besitzer zur Verzweiflung, weil er zum einen nicht mehr Herr der Lage und der breiigen Häufchen wird, und zum anderen der Welpe von Tag zu Tag magerer wird, anstatt zuzunehmen. Sollte er jetzt den Welpen 1 Tag hungern lassen, wird der frischgeborene Hundebesitzer aber sämtliche Hausrezepte, am besten alle auf einmal, ausprobieren. Der strapazierte Darm kommt nicht zur Ruhe, der Durchfall wird verschleppt bis endlich ein Arzt mit Medikamenten helfen muß. Alles unnötig, hätte der Besitzer den Rat des Züchters befolgt. Das nächste Problem ist die Nascherei, die vielen guten Leckerchen. Der Welpe bekommt zwar entsprechend der Empfehlung des Züchters sein spezielles Futter, aber Leckerchen hier und da (was macht das schon, ist doch nur ein kleines Stückchen gewesen...), bis der Welpe übersättigt ist und bei seinen Hauptmahlzeiten zu mäkeln anfängt. Der Besitzer glaubt dann, dem Hund "schmeckt" das Futter nicht mehr und fängt zu variieren an, probiert dies und das. Mäkelt der Welpe weiterhin und frißt bald nur noch Leckerchen, gerät der Besitzer in Panik, weil sein Welpe doch fressen "muß". Was passiert? Der Besitzer wird seinem Kleinen nun permanent Futter anbieten und ihm sogar mit dem Napf hinterherlaufen. Er wird sich überschlagen, bis der Welpe frißt, und wenn er endlich ein bißchen gefressen hat, wird der neue Besitzer in Jubelrufe ausbrechen. Hier handelt er aber wieder falsch und erzieht seinen Welpen somit automatisch zum schlechten Fresser.

Es gilt Folgendes: Unbedingt muß die Fütterungsempfehlung des Züchters (wenigstens in den ersten Wochen) nach dem Umzug des Welpen eingehalten werden! Auch wenn der Welpe in Ermangelung seiner Geschwister und der Mutter und bedingt durch die Aufregung in der neuen Umgebung anfangs zögerlich oder schlecht frißt: Niemals von der züchterischen Anweisung abweichen! Es ist ganz besonders wichtig, daß dem Welpen eine Futterumstellung in der ersten Woche des Einzuges ins neue Heim nicht zugemutet wird! Das Verabreichen von Leckerchen sollte ebenfalls unterbleiben! Erst wenn der Welpe "zuhause" ist, sich richtig eingewöhnt hat und gut und zügig frißt, können die beliebten Leckereien in Maßen (nicht Massen!) zugefüttert werden! Der Welpe muß unbedingt das gleiche Futter erhalten, welches er bis dahin gewohnt war!Frißt er nicht sofort, muß das Futter nach wenigen Minuten wieder weggenommen werden!Angerührtes Futter muß dann aber im Abfall landen, und sollte nicht wieder angeboten werden! Jede Mahlzeit muß frisch zubereitet werden! Evtl. auch die Futtermenge solange und immer wieder reduzieren, bis der Welpe heißhungrig alles auffrisst. Die Menge der nächsten Mahlzeit kann dann etwas gesteigert werden, sollte aber gleich wieder reduziert werden, wenn der Welpe wieder nicht hungrig frißt! Die Abstände zwischen den Fütterungszeiten sollten groß genug sein, damit der   Welpe auch richtig hungrig ist! Ein fortwährendes Anbieten des Futters oder gar das Stehenlassen über den ganzen Tag erzieht unweigerlich schlechte Fresser!Der Welpe muß wissen, daß er "leer" ausgeht, wenn er seine Mahlzeiten nicht zügig auffrißt!Wenn ein Welpe an den ersten Tagen seines Einzuges kaum frißt, ist das kein Grund zur Beunruhigung.Ein Tag hungern, schadet weniger als falsches Füttern! Niemals sollte Ersatzfutter, also anderes, als das vom Züchter empfohlene, angeboten werden! Wenn der Besitzer seinem Züchter nun dennoch nicht vertrauen will, darf eine Futterumstellung im Sinne des Besitzers nur allmählich und erst nach einer guten Woche erfolgen! Allmählich heißt, daß das neue Futter anfangs zu kleinen Anteilen, die sich Tag für Tag steigern lassen, dem Bewährten beigemischt wird.

Viele Mängel und Entwicklungsfehler beim erwachsenen Hund haben ihren Ursprung einzig und allein im falschen Freß- und Fütterungsverhalten.