Der Bart- und Augenbrauenwuchs eines Hundes wird als Furnishing bezeichnet

 

Furnishing

 

Eine Mutation am Genort RSPO2 determiniert, ob ein Hund normales, dem Wildtyp entsprechendes Haar
besitzt oder zusätzlich die Merkmale des Furnishing (siehe unten) zeigt.
Die Merkmale des Furnishing sind zudem charakteristisch für alle Rauhaarrassen,
d. h. rauhaarige Hunde haben stets die Furnishingmutation vorliegen. Ob das Fell tatsächlich drahtig oder eher weich ist, unterliegt weiteren Einflüssen.
 
Phänotypische Vergleiche deuten darauf hin, dass z. B. die Kombination von Langhaarigkeit und Furnishing drahtiges Haar weicher erscheinen lässt.
Neuesten Studien zufolge sind möglicherweise Einflüsse durch eine Mutation am Genort EDAR,
der ebenso wie RSPO2 am WNT-Signalweg beteiligt ist, für rauheres Haar verantwortlich.
Der WNT-Signalweg ist für den Aufbau der Haarfollikel erforderlich.
 
Eindeutige phänotypische Merkmale für den Genotypen Furnishing sind:
  • Bartwuchs
  • lange Behaarung an Augenbrauen/Stirn

Weitere Merkmale des Furnishing:

  • verlängertes Fell am gesamten Körper
  • längeres Fell an den Beinen (rundum), am gesamten Kopf und an der Brust
  • geringer Haarausfall
  • kein saisonaler Fellwechsel

 Wie stark diese Merkmale in Erscheinung treten ist abhängig von modifizierenden

Genen weiterer Genorte und kann variieren.

Die Verlängerung des Haares am gesamten Körper wird besonders auffällig,

wenn das Fell lange nicht getrimmt wurde. Das Trimmen des Fells ist notwendig,

weil abgestorbenes Haar nicht von allein ausfallen kann.

Wird das Fell eines Hundes mit Furnishing nicht getrimmt, sondern geschnitten oder geschoren,

wird das Haar weicher und gleichzeitig leidet die Färbung des Fells.

Da speziell die Gesichtsbehaarung (Bart und Augenbrauen) das Hauptmerkmal dieser Mutation ist

(und nicht in jedem Fall ein sehr rauhes, drahtiges Fell), verwendet man mittlerweile bevorzugt den englischen Fachbegriff "Furnishing" für diese Mutation.

Die Furnishingmutation unterliegt einem dominanten Erbgang.

Es genügt, wenn an diesem Genort ein einziges Allel der Mutation vorliegt,

um den Phänotypen für Furnishing (mehr oder weniger ausgeprägt) hervorzurufen.

Kreuzungen von Normalhaar und Haar mit Furnishing ergeben entsprechend 100% Nachwuchs

mit den Merkmalen des Furnishing - sofern der Partner mit dem Haar mit Furnishing am Genort RSPO2 homozygot ist.

Hunde mit normalem Fell können nicht Träger der RSPO2-Mutation sein.

Anders herum ist allerdings möglich, dass Hunde mit der Furnishingmutation unter

Umständen nicht reinerbig (homozygot für die Anlage) sind.

Bei jungen Rassen oder Mischlingen kann dieses durchaus der Fall sein,

ebenso bei Rassen, deren Zuchstandard beide Haarvarianten erlaubt.

Paarungen von Normalhaar mit solchen am RSPO2-Genort heterozygoten Hunden oder auch von

zwei heterozygoten "Furnishinghunden" kann deshalb Nachzuchten mit Normalhaar, also ohne die typischen Merkmale des Furnishing hervorbringen.

Allelsymbole zur Darstellung:
F = Furnishing

f = unfurnished/non furnishing (Normalhaar)

Darstellung der möglichen Genotypen:
F/F = Furnishing, homozygot
F/f oder F/+ = Furnishing, heterozygot
f/f oder +/+ = Normalhaar

Wenn dem Fell etwas fehlt - unvollständiges Fell

Bolonka mit einem Fell, das nicht dem Standard entspricht.



Bolonka mit einem Fell, das dem Standard entspricht.




Das unvollständige Fell (incomplete coat, kurz IC) ist eine Erscheinung des Fells, die - berücksichtigt man die Ursache - unter den sachlich falschen Begriffen Kurzhaar oder Stockhaar bekannt wurde.

Betrachtet man lediglich das sichtbare Ergebnis (den Phänotyp) und den Genotypen ohne den Vergleich zum vom Rassestandard geforderten Fell anzustellen, ist es ein Fell, das man korrekt als Langhaar bzw. Langstockhaar bezeichnet. Es ist kürzer als beim Bolonka zwetna vom Standard verlangt wird und zeigt u. a. keine Gesichtsbehaarung. Die Ursache für dieses kürzere Fell ist das Fehlen einer Genmutation, deren phänotypische Ausprägung landläufig unter dem Begriff Furnishing zusammen gefasst wird.

Doch was ist hier geschehen?

Eigentlich nichts Dramatisches. Der Welpe mit dem spärlicheren Fell ist weder krank noch ein Mischling, sondern er hat lediglich eine andere Fellvariante - er ist ein Hund, der nur langhaarig ist oder anders ausgedrückt, er ist ein Langhaar ohne Furnishing. Das ist eigentlich genauso wenig aufregend wie schwarze und braune Welpen im Wurf zu haben. Wenn nicht ... ja, ... wenn nicht der Rassestandard wäre, der beim Bolonka zwetna eine weitere Fellvariante als die Variante "welliges oder gelocktes Langhaar mit Furnishings" nicht zulässt.

Das bedeutet, dass dieser Welpe zwar ein reinrassiger Bolonka zwetna ist, dem auch ordnungsgemäße Papiere zustehen, er aber dem Standard nicht entspricht.

 

Als Liebhaberhund ist ein Bolonka mit unvollständigem Haarkleid ebenso wertvoll wie ein Bolonka mit standardgemäßem Fell und ich bitte zu bedenken, dass ein Rassestandard nur ein von einer Gruppe von Menschen festgelegtes Ideal für das Aussehen einer Rasse darstellt. Bei der einen Rasse kamen die Menschen überein, dass mehrere Fellvarianten zulässig

 

Vorab möchte ich daran erinnern, dass unvollständiges Fell (Langhaar ohne Furnishings) keine Krankheit ist, dem Hund keine Schmerzen oder Nachteile bereitet und ihm in keiner Weise Schaden zufügt.

Um noch einmal auf den Stellenwert des unvollständigen Fells einzugehen und ein wenig abzuschweifen:

Bevor man sich unverhältnismäßig stark über einen Bolonka, dem das Furnishing fehlt, ärgert, darf man sich vielleicht sogar einmal ganz vorsichtig fragen, ob es dem Wohlbefinden eines Bolonka nicht gar zuträglich ist, auf dieses viele Fell speziell im Bereich der Augen, der Nase, der Schnauze, des Afters sowie zwischen den Pfoten zu verzichten? Ganz zu schweigen von den Wuschelhunden, die mangels oder aufgrund falscher Pflege massiv verfilzen, sodass an deren Haut kaum noch Luft kommen kann und diese darum zu schuppen beginnt.

Wir dürfen einfach nicht vergessen, dass es hier nur um ein von Menschen kreiertes Schönheitsideal geht, das wir erreichen, indem wir zu den bereits vorhandenen Mutationen bzgl. der Fellbeschaffenheit noch eine weitere hinzufügen.

Gleichzeitig ist zu beobachten, dass kaum ein Halter eines Bolonka und auch nicht jeder Züchter, die vom Standard gewünschte Haarpracht bestehen lässt. Ein ganz großer Teil der Bolonka wird regelmäßig kurz geschnitten. Nicht nur, weil viele meinen, der Hund fühle sich dann wohler, sondern auch, weil auf dem Wege für den Besitzer die Fellpflege wesentlich bequemer, eben einfacher ist.

 

Danke an Andrea Becker für die Infos!! 

Zuckersüße, reinrassige, gesunde Bolonka Hündin mit wenig Haarbehang im Gesichtsbereich